HCL - Status Quo und Ausblick in der Retailbeleuchtung

05.06.2019 - Von Alexander Meffert

Was bedeutet "Human Centric Lighting" eigentlich? Wie kann der Einzelhandel davon profitieren? Mit diesen Fragen habe ich mich auf den Weg gemacht um den Lichtplaner und Trainer Andreas Elpert in seinem Planungsbüro "DerElpert" zu treffen. Was er dazu zu sagen hat könnt ihr hier nachlesen und hören. Viel spaß!

HCL, oder „Human Centric Lighting“, klingt wie ein neues Thema, ist es aber eigentlich gar nicht. Wo früher noch von „Tageslicht-Ersatz“ oder „biologisch wirksamer Beleuchtung“ die Rede war, redet man heute über „Human Centric Lighting“.

Aber was bedeutet das eigentlich: „Human Centric Lighting“? Wie stellt man den Menschen beim Thema Beleuchtung in den Mittelpunkt? Können Einzelhändler das Kaufverhalten ihrer Kunden durch Beleuchtung beeinflussen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden habe ich mich mit dem Planer und Trainer Andreas Elpert getroffen.

Andreas Elpert – Als Meister der Elektrotechnik verlor er schnell sein Herz ans Licht. Nach Vertriebstätigkeiten für Zumtobel und Schréder Lighting, zog es ihn als Leiter Vertriebsmarketing zu TRILUX. Bekannt auch als Senior Referent an der TRILUX Akademie, gründete er 2011 das Planungsbüro „DerElpert“. Als Lichtplaner und Trainer steht Andreas Elpert für eine präzise und ganzheitlich gedachte Licht- und Raumplanung. Unterstützt wird er dabei von seiner besseren Hälfte Fatma Getboga-Elpert, ihres Zeichens Diplom-Ingenieurin der Innenarchitektur. Unter ihrer Leitung und dem Label „Getbogadesign“  entstehen einzigartige Designobjekte. Gemeinsam bilden sie das Planungsbüro „DerElpert“.

Human Centric Lighting im klassischen Sinne, ist die Anpassung der Lichttemperatur an den Biorhythmus des Menschen. HCL kann also grundsätzlich überall verplant und verbaut werden, wo der Mensch sich regelmäßig aufhält. In der Tat trägt HCL bereits in Schulen und Universitäten zu Leistungssteigerung bei, in Büros sorgt es dafür, dass Menschen produktiver sind und in Lagerhallen hilft es, in Kombination mit einem Lichtmanagementsystem, Kosten zu sparen. Im Retailbereich scheint Human Centric Lighting bisher nur teilweise angekommen zu sein. Dabei gibt es hier eine Menge Potential.

Um das Potential von Human Centric Lighting im Retail zu verstehen, muss man sich den Wandel im Handel anschauen. Mieten steigen, Verkaufsflächen werden kleiner. Zunehmende Vergleichbarkeit und genereller „Information Overload“ im Internet sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit während des Besuchs am POS noch mit dem Smartphone oder Tablet geteilt werden muss. Der Druck auf den Handel, Kunden in den Store zu bringen und dort zu halten, wächst. Wenn der Kunde sich dann in einen Laden „verirrt“ hat, findet er oft ein uninspiriertes Bild der Warenbeleuchtung vor. Eine „Lichtsoße“ wie der Lichtexperte Andreas Elpert es so schön nennt. Wer früher die Beleuchtung nach DIN-Normen geplant hat, muss heute eine emotionale Fläche planen um den Kunden bei seinem Shopping-Erlebnis zu begleiten. Seit LED Beleuchtung ist dies in Form von HCL deutlich einfacher umzusetzen und zu betreiben.

Was man dabei aber nicht vergessen darf: Verschiedene Produktgruppen benötigen eine ganz individuelle Farbtemperatur um möglichst wahrheitsgetreu und attraktiv dargestellt zu werden. Backwaren sehen unter 2.700 Kelvin zum Anbeißen aus, bei 4.200 Kelvin wirkt die Fischtheke kühl und frisch. HCL, und damit die Anpassung der Beleuchtung an den Biorhythmus des Menschen, verändert dynamisch über den Tag die Farbtemperatur von Warm- zu Kaltweiß und wieder zurück. Hier muss also nach Store und Anwendungsbereich unterschieden werden. Aber selbst Discounter müssen deshalb nicht auf Human Centric Lighting verzichten. Um die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter zu verbessern ergibt HCL im Kassenbereich in jedem Fall Sinn. Weiterhin gibt es noch viel mehr Möglichkeiten, den Mensch in den Mittelpunkt der Beleuchtung zu stellen. Beispielsweise lenkt der geschickte Einsatz von Akzentbeleuchtung durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten die Aufmerksamkeit des Kunden. Eine warme Lichtinsel am Weinregal, im Kontrast zur eher kalten oder neutralen Grundbeleuchtung, zieht den Kunden hinein und erzeugt eine wohnliche, gemütliche Atmosphäre. Jede Einflussnahme auf die Wahrnehmung und das Wohlbefinden des Menschen ist ein Teil von Human Centric Lighting. Die Möglichkeiten sind für jeden Store einzigartig.

Ein gutes Beispiel für spannende, attraktive Beleuchtung mit HCL sind Sportfachgeschäfte. Viele Farben, Textilien und Geräte sorgen für die nötige Abwechslung, welche mit der richtigen Lichtplanung zur Entfaltung kommt. Akzentbeleuchtung auf Fassaden und Regalwände erschaffen eine Tiefe im Raum und helfen durch unterschiedliche Farben bei der Orientierung. Doppelasymmetrische Beleuchtung über den Laufwegen erzeugt einen Kontrast zwischen Weg und Ware und lenkt so die Aufmerksamkeit auf die Produkte. Mit Lichtkästen können die verschiedenen Sportarten dargestellt und mit farblichem Licht emotionalisiert werden. Dabei sollte stets auf eine hohe Farbwiedergabe von mindestens CRI 90 geachtet werden, um Textilien wahrheitsgetreu darzustellen. Abschließend wird im Kassenbereich der Tagesverlauf dynamisch simuliert, um die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter weiter zu verbessern.

 

Ganz besonders im Mittelpunkt der Beleuchtung steht der Mensch vor allem an einem Ort: der Umkleidekabine. Das hier noch eine Menge Nachholbedarf besteht, ist für den Lichtplaner Andreas Elpert sonnenklar. Letzten Endes wird die Kaufentscheidung nicht an der Kasse, sondern in der Kabine getroffen. Wenn der Kunde, aufgrund mangelhafter Beleuchtung hier nicht umwerfend aussieht, wo denn dann? Das Geheimnis: Frontale Beleuchtung links und rechts vom Spiegel, statt Downlight von oben und Schlagschatten im Gesicht. Wer es richtig machen will bietet verschiedene Lichtszenarien je nach Abteilung an. Probiert der Kunde  Sakko, Hemden, oder Anzüge an, stehen Ihm beispielsweise die Szenarien „Lounge“, „Büro“ und „Colorcheck“ zur Verfügung. So kann man sich in der Umkleide selbst direkt vergewissern, wie die Kleidung im warmen Licht einer Lounge, im kälteren Bürobereich oder draußen im Sonnenlicht aussieht.

Als Podcast findet ihr das ganze Gespräch unter www.cedes.info/podcast.

Danke für eure Zeit, ich hoffe es hat euch gefallen. Fragen und Anmerkungen gerne an marketing@cedes.info.

Vielen Dank auch an Andreas für das informative und nette Gespräch und natürlich für deine Gastfreundschaft. Ich freue mich schon auf nächste Mal!

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